Tierwelt

Die Samen und ihre Rentiere

Die Ureinwohner Norwegens leben seit Tausenden von Jahren in Harmonie mit den Rentieren und der Natur.

TEXT VON EWEN BELL

Der Winter jenseits des nördlichen Polarkreises ist dunkel. Sehr dunkel sogar. Es gibt Wochen, in denen die Samen hier öfter das Nordlicht als Sonnenlicht sehen. Doch mit dem Einzug des Frühlings in den verschneiten Norden kommt auch die Sonne wieder und das Leben erwacht mit voller Wucht von Neuem.

Die samischen Rentierhirten heißen die Sonne willkommen und schmieden Pläne für den Umzug ihrer Herden in höher gelegene Gebiete. Die Gemeinde Kautokeino ist die wichtigste Kultur- und Bildungsstätte der Samen in Norwegen und liegt in der geografischen Mitte der nördlichen Gebiete der Samen, wo die Rentiere leben.

Rentiere sind für die Samen mehr als nur eine Einkommensquelle; sie sind überlebenswichtig.

Auch heute noch werden Rentierfelle verwendet, um sich warm zu halten, als Kleidung oder als Felle, auf denen man liegt.

Die samische Kultur existierte schon lange vor der Entstehung der heutigen Grenzen.

Hier findet auch das jährliche Osterfest der Samen statt. Nach einem langen Winter versammeln sich die samischen Familien, um sich mit ihren Freunden und Bekannten zu treffen, bevor sie sich auf die Reise in die Berge begeben, wo die Sommerwälder reich an Flechten, Gräsern und Beeren sind. Im Rahmen des modernen Festivals mit Rentierrennen, Pelzmarkt und einem Musikfestival, bei dem der „Joik“ (der traditionelle Gesang der Samen, der derzeit eine Art Renaissance erlebt) im Mittelpunkt steht, werden samische Kultur und Handwerkskunst gefeiert und gewürdigt.

Die Tiere sind nicht bloß Nutztiere, sie sind überlebenswichtig

Im Frühling bewegen sich große Rentier-Herden auf Küsten- oder Bergstraßen – beim Autofahren ist besondere Vorsicht geboten

Die samische Kultur existierte schon lange vor der Entstehung der heutigen Grenzen zwischen Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Die Samen lebten schon lange vor der Ankunft der alten Könige im Norden, im Einklang mit den Jahreszeiten und mit Hilfe der Rentiere. Nicht alle Samen sind Rentierhirten, aber alle Rentierhirten sind Samen. Die Tiere sind nicht bloß Nutztiere, sie sind überlebenswichtig. Für die Menschen, die in dieser arktischen Klimazone zu Hause sind, sind die Rentiere Nahrung, Transportmittel und Kleidung zugleich. Die Hirten kennen ihre Tiere ganz genau; genauso wie die Wälder und Seen, die ihre Heimat sind. Die Tiere sind ein wichtiger Bestandteil der Landschaft, in der sie leben.

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Auch heute gibt es in Norwegen noch wilde Rentierherden.

Ein Samen in einem Lavvu, einem Zelt mit Platz für eine große (und unentbehrliche) Feuerstelle.

Heute nutzen die Samen moderne technische Hilfsmittel, um ihr Leben komfortabler zu gestalten – zum Beispiel in Form von Schneemobilen für das Hüten der Tiere. Die überlieferten Traditionen und Kenntnisse sind aber nach wie vor präsent und die Rentiere so wichtig wie eh und je. Lavvus (große, runde Zelte, die innen Platz für eine großzügige Feuerstelle aus Stein bieten) sind bei den nomadisch lebenden Rentierhirten immer noch weit verbreitet. Früher waren sie mit Rentierfell bespannt, heutzutage werden jedoch leichtere Materialien verwendet. Der Birkenholzrauch verleiht den über der Feuerstelle aufgehängten Rentierfleischstücken ein besonderes Aroma, während er durch die Spitze des Lavvus aufsteigt. Alle Bestandteile des Rentieres werden verwertet. Die Felle dienen nach wie vor als wichtige Wärmespender – sei es in Form von Kleidung oder um auf ihnen zu liegen. Die Geweihe werden zusammen mit arktischen Hölzern zu kunstvoll verzierten Schalen und Utensilien verarbeitet.

Es werden immer alle Bestandteile des Rentieres verwertet.

Die Hirten stellen am Straßenrand Skistöcke mit einem angebundenen schwarzen Tuch auf, um die Autofahrer zu warnen, dass ihre Tiere in der Nähe sind.

Nicht alle Samen sind Rentierhirten, aber alle Rentierhirten sind Samen.

Nur wenige Kilometer vom Hafen von Tromsø entfernt können Sie im Frühjahr durchziehende Rentierherden beobachten. Wann immer Sie auf Küsten- oder Bergstraßen unterwegs sind, müssen Sie auf womöglich die Fahrbahn überquerende Rentiere achten. Die Hirten stellen am Straßenrand Skistöcke mit einem angebundenen schwarzen Tuch auf, um die Autofahrer zu warnen, dass ihre Tiere in der Nähe sind. Es ist zwar nicht ungewöhnlich, in den Wäldern auf Rentiere zu stoßen, aber es ist wahrscheinlicher, dass Sie Ihnen auf der Speisekarte begegnen. Fast jeder Supermarkt in der Arktis hat Rentierfleisch im Sortiment, das man gebraten mit Zwiebeln und Polarbrot oder zusammen mit Pilzen zu Nudeln oder Kartoffeln servieren kann.

Eine traditionelle samische Mahlzeit.

In Orten wie Kautokeino, Snåsa und Karasjok gibt es Museen, in denen man mehr über die Lebensweise der Samen erfahren kann. Noch besser ist es aber, wenn man von Angesicht zu Angesicht von ihnen lernt. Der Nordlichtjäger und Wildnisführer Gunnar Hildonen teilt sein samisches Erbe gerne mit den Gästen, wenn sie gemeinsam unter dem nächtlichen Sternenhimmel sitzen. Während er geräuchertes Rentier in der Pfanne brät, erzählt er von den Techniken, die er für das Überleben im Winter gelernt hat: Birkenholz zum Feuermachen, Zweige zum Herstellen von Schneeschuhen und geräuchertes Rentier als Proviant. Es gibt keine bessere Art, um zu verstehen, wie die Samen in diesen nördlichen Gefilden Seite an Seite mit ihren Rentieren überleben konnten, als die samische Küche zu probieren, ihre Handwerkskunst zu bewundern und ihre Lieder und Geschichten zu hören.

Besuchen Sie das indigene Volk der Samen im hohen Norden Europas und erleben Sie ihre bemerkenswerte Kultur.

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