Schiffe

Blut auf dem Zahn

Dem Vermächtnis und dem Pioniergeist eines Mannes wurde mit diesem Schiff ein Denkmal gesetzt.

TEXT VON JEREMY DRAKE

„Blut auf den Zahn bekommen“ ist eine norwegische Redewendung, die den Willen zur Überwindung und zur Erreichung von Höchstleistungen beschreibt (ähnlich der deutschen Redewendung „Blut geleckt haben“). Foto: Stian Klo

Ein altes norwegisches Sprichwort lautet: „å få blod på tann“, was frei übersetzt so viel bedeutet wie „Blut auf den Zahn bekommen“.

Diese etwas blutrünstige Metapher soll das menschliche Streben nach Größe verdeutlichen. Als der Gründer von Hurtigruten, Richard With, 1893 die erste Fahrt entlang der klassischen Postschiffroute unternahm, gelang ihm damit ein beispielloses Unterfangen, das die Zukunft des Schiffsverkehrs an der norwegischen Küste für immer verändern sollte.

Raftsund in Norwegen. Foto: Trym Ivar Bergsmo

Die 1.250 Seemeilen lange Reise von Bergen nach Kirkenes war einst sehr beschwerlich und gefährlich. Tonnen von Hering, Heilbutt und Kabeljau mussten dringend aus dem Norden in den hungrigen Süden Europas transportiert werden. Doch niemand traute sich zu, eine Route entlang der gefürchteten Küste zu finden, die für ihre tückischen Winde, Riffe, Inseln und schwer zu befahrenden Buchten berüchtigt war. Zumindest bis der erfahrene Schiffskapitän With aus Tromsø auf eine diesbezügliche Ausschreibung der norwegischen Regierung reagierte und sich an die Lösung dieser, von manchen als unmöglich angesehen, Aufgabe wagte. Niemand außer ihm war gewillt, den Skeptikern zu trotzen und zu beweisen, dass es eine „hurtig ruten“ (schnelle Route) in den Norden gab. Seine erste erfolgreiche Seereise auf dieser Strecke gelang ihm mit dem Dampfschiff Vesteraalen – ein Ereignis, das revolutionäre Veränderungen für die gesamte Küstenregion nach sich ziehen sollte. Neue Industriezweige entstanden und einst isolierte Gemeinden konnten mit der Umwelt in Kontakt treten.

Das Dampfschiff Finmarken war von 1912 bis 1957 regelmäßig im Einsatz.

MS Richard With – benannt nach dem Gründer von Hurtigruten.

Mehr als ein Jahrhundert später lief im Jahr 1993 das nach unserem Gründer benannte Schiff MS Richard With mit einer Kapazität von 590 Passagieren vom Stapel. Es ist heute noch in Betrieb. Es bringt sowohl einheimische Reisende als auch unerschrockene Abenteurer aus aller Welt zu den idyllischen Landschaften Norwegens, führt sie durch mehr als 100 Fjorde und bietet den Gästen eine lange Liste von Landausflügen. Kapitän Frode Simonsen steuert MS Richard With seit zwei Jahren. Er sagt, dass die Geschichte des Gründers von Hurtigruten und der Postschiffroute niemanden an Bord kalt lässt. „Richard With war eine der großartigsten Persönlichkeiten seiner Zeit – er machte sich einen Namen als Schiffskapitän, Pionier, Geschäftsmann und Politiker“, erzählt Simonsen. „Die Menschen lieben es, an Bord dieses Schiffes die norwegische Küste zu bereisen. Sie finden es spannend, mehr über Richard With und seine Geschichte zu erfahren, und finden es toll, auf einem nach ihm benannten Schiff unterwegs zu sein. Meine bevorzugte Reisezeit an Bord sind die Monate März und April, wenn es Frühling wird im hohen Norden. Die Tage werden länger und man merkt, wie nach einem langen Winter alles wieder zu neuem Leben erwacht.“ Ganz im Sinne des Pioniergeistes von Hurtigruten verfügt das Schiff über ein eigenes deutschsprachiges Expertenteam und dient als eine Art Universität auf See. Die Gäste aus aller Welt können sich nicht nur entspannen und Sehenswürdigkeiten besichtigen, sondern auch stundenlang an Vorträgen, wissenschaftlichen Forschungsprogrammen und Aktivitäten teilnehmen, die vom Hurtigruten Expertenteam organisiert werden.

Kräftige, warme Farben sind typisch für den Herbst in Norwegen.

Activity Center, MS Richard With. Foto: Agurtxane Concellon

Interaktiver Touchbildschirm, MS Richard With. Foto: Agurtxane Concellon

Auf die Frage nach seinem Lieblingsteil der klassischen Postschiffroute antwortet Simonsen wie aus der Pistole geschossen: der Streckenabschnitt zwischen den Lofoten und Vesterålen. Während die klassische Postschiffroute früher selbst die hartgesottensten Schiffskapitäne Norwegens in Angst und Schrecken versetzte, sagt Simonsen, dass es heute nicht mehr so sehr die Navigation entlang der Küste sei, die ihn herausfordere, sondern die Winde, die Inseln und die vielen engen Häfen, die diese Reise selbst für die heutigen Schiffe schwierig machen. Aber dieser Hauch von Gefahr, sagt er, sei auch Teil des Zaubers. Wie Richard With schon wusste, kommt man nicht weiter, wenn man nicht ein bisschen Blut auf den Zahn bekommt.

Erhalten Sie 90 € Bordguthaben

Melden Sie sich für unseren kostenlosen Newsletter an, um über Spezialangebote und neue Reiserouten informiert zu werden und sichern Sie sich darüber hinaus 90 € Bordguthaben für Ihre erste Seereise mit uns.

Ein Schiff von Hurtigruten ist im Raftsund in Norwegen unterwegs. Foto: Trym Ivar Bergsmo

Entdecken Sie die atemberaubende norwegische Küste

Im Jahr 2018 wurde die MS Richard With umfassend renoviert und mit neuen Kabinen und Suiten, einem brandneuen Activity Centre, das als Hauptquartier für das Hurtigruten-Expeditionsteam dient, sowie zwei nach hinten gerichteten Whirlpools ausgestattet. Ganz besonders hervorzuheben ist die erneuerte Panorama-Bar, wo Sie Sitzplätze in der ersten Reihe für die spektakulärste Lichtshow der Welt haben: das Nordlicht.

Explorer Bar, MS Richard With. Foto: Agurtxane Concellon

EXPEDITION Suite, MS Richard With. Foto: Agurtxane Concellon

Zwei Gäste entspannen an Bord des MS Richard With.

Blick auf das Nordlicht von MS Richard With.

Hurtigrutens legendäre 12-tägige Seereise entlang der klassischen Postschiffroute von Bergen nach Kirkenes folgt dem Verlauf der ursprünglichen Fahrt von Richard With und führt zu 34 Häfen an der wilden und schönen Küste Norwegens.

Diese Artikel teilen

Ambassador werden

Ein Treueprogramm und eine Community für alle, die das Reisen lieben!

Als Mitglied von 1893 Ambassador erhalten Sie exklusive Angebote, Vorteile, Rabatte und Newsletter mit inspirierenden Artikeln über ferne Reiseziele.

Kontaktieren Sie uns, um mit uns über Ihre nächste Seereise zu sprechen

In dieser Ausgabe

< Inhalt